Die Coya-Story

Von Bergen, einer Tropenkrankheit und einem Sprichwort aus "Best Exotic Marigold Hotel" – Gründer Andrew Shaw über die Geschichte und Idee hinter Coya

September 2018, der Moment ist gekommen: Wir sind live! Mit der Einführung unserer Hausratversicherung legen wir den Grundstein für unser Vorhaben, eine digitale Versicherung aufzubauen, die bezahlbar, transparent und leicht verständlich ist. Die vergangenen zwei Jahre waren ereignisreich und aufregend bisher, aber jetzt geht es erst so richtig los!

Alles begann vor zwei Jahren im Sommer 2016 auf einer Reise durch Indonesien. Es war traumhaft: Ich habe neue Freundschaften geschlossen, surfte auf den Wellen von Bali und hab sogar meinen ersten Tauchschein absolviert. Alles war perfekt – bis ich Bekanntschaft mit "Chikungunya" machte, einer Tropenkrankheit, die sich ähnlich wie beim Denguefieber über Moskitos verbreitet. Die Krankheit traf mich mit voller Wucht – ich lag flach und war ziemlich deprimiert, krank im Bett krank zu liegen, anstatt draußen ein fremdes Land zu entdecken.

1*YSwIoz93YHv3lqbg3Y5qZQAtemberaubende Atmosphäre auf den Gili Islands. (Andrew Shaw ©)

 

Die Reise begann ...

Was mich jedoch mehr beunruhigte, als von "Chikungunya" niedergestreckt worden zu sein (schließlich war ich nicht der erste Rucksacktourist, der auf Reisen in dieser Region krank wurde), war die Erfahrung, die ich mit meiner Versicherung in Deutschland deswegen hatte. Es schien schier unmöglich, entsprechende Hilfe zu bekommen, weil ich nicht meinen Aktenordner in Deutschland mit meinen ganzen Unterlagen vor mir hatte. Am Telefon wollte man mir nicht helfen. Es machte den Anschein, dass es der Versicherung mehr um den Verkauf ihrer Police als um mein Wohlergehen ging. Nach endlosen Telefonaten musste ein Freund von mir in Deutschland in meiner Wohnung unzählige Papiere durchstöbern, sich durch endlose Bedingungen wühlen, Stunden am Telefon verbringen, um den richtigen Ansprechpartner zu finden. Ich fühlte mich allein – in einer Zeit der Not an einem fernen Ort und ich fragte mich, warum es so schwer war, die Leistung und Hilfe zu bekommen, für die ich jahrelang eingezahlt hatte, um es vorsichtig auszudrücken.

Sind wir verrückt?

Als ich meinem engen Freund Sebastián Villarroel zurück in Deutschland von dieser Erfahrung erzählte, war er nicht wirklich überrascht. Als langjähriger Versicherungskaufmann und Datenexperte wusste er, wie veraltet die Branche war und warum es für die meisten Versicherungen heute schwierig war, den Kunden Echtzeit-Support und transparente Verträge anzubieten. Schnell waren wir uns einig, dass dies in heutiger Zeit mit moderner Technologie besser und kundenfreundlicher gestalten werden könnte – und wenige Stunden (und ein paar Gläser chilenischen Wein) später waren wir dabei, unsere Gedanken und Ideen niederzuschreiben.

1_hbx4MXCrcJeAiIhfzewPlANüchtern betrachtet, schien die Idee tatsächlich ziemlich verrückt zu sein. Wenn wir all das ändern wollten, müssten wir ein eigenes Unternehmen von Grund auf neu aufbauen, eigene Technologien entwickeln und einen gefühlten Mount Everest besteigen. Wollten wir das wirklich angehen? Und dann auch noch in der Versicherungsbranche, die nun wirklich nicht mit dem besten Ruf gesegnet ist? Doch schon während wir darüber nachdachten, merkten wir: Das Thema hat uns bereits gepackt, wir waren infiziert. Wir hatten eine Versicherung im Kopf, die die Bedürfnisse der Menschen wieder in den Mittelpunkt rückt und für sie da ist, wenn sie die Hilfe am meisten brauchen, die modernste Technologie nutzt, verständliche, faire und transparente Verträge bietet und keine Aktenordner voll Papierdokumentationen mehr füllt. Uns war klar: Wenn wir es wirklich realisieren wollen, wird es ein langer und steiniger Weg werden.

Nüchtern betrachtet, schien die Idee tatsächlich ziemlich verrückt zu sein.

Die Erzählung von Coya

Solche Entscheidungen sollten bei allem Enthusiasmus nicht über Nacht getroffen werden. Also nahm ich mir eine Auszeit, um herauszufinden, ob die Idee visionär oder einfach nur größenwahnsinnig war. Auf den Bergspitzen Perus stieß ich auf die Geschichte von “Coya”, einer südamerikanischen Königin. Sie war für den Schutz ihres Volkes in Zeiten der Not verantwortlich, galt als die klügste und schönste ihres Volkes und sprach direkt mit den Menschen – im Gegensatz zum König, der andere in seinem Namen sprechen ließ. Der Name schien perfekt für unser Unterfangen zu sein.

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Nach meiner Rückkehr nach Deutschland ging es dann ganz schnell: Wir präsentierten die Idee Christian Miele, einem guten Freund und Investor. Er war sofort Feuer und Flamme und bot uns ein erstes Investment an. Mit seiner Hilfe fand sich ein Team von großartigen Investoren und Mentoren zusammen, und er stellte uns Peter Hagen vor – unserem drittem Gründer –, der alles in der Versicherungsbranche gesehen hatte und den gleichen Plan verfolgte wie wir. In der Zwischenzeit hatte Sebastián bereits seinen Job bei einem Cyber-Sicherheitsunternehmen aufgegeben, um sich unserer Mission voll widmen zu können, und gute Freunde halfen uns beim Aufbau des Betriebs. Der Grundstein war gelegt!

Herausforderungen voraus!

Doch noch lag viel Arbeit vor uns. Jeder, der schon mal ein Projekt in Angriff genommen hat, weiß: Hürden gehören im Entwicklungsprozess ebenfalls dazu. So war es auch bei uns. Mit einem Mal nahm der Wettbewerb im InsurTech-Bereich schlagartig zu, denn es war klar, dass die Digitalisierung auch die Versicherungsbranche erreichen würde. Viele Experten schlugen uns vor, einen White-Label-Versicherer zu gründen, ein reines Vertriebsmodell, das der "einfachere Weg" wäre. Das war jedoch nicht unser Ziel; unser Traum war es, eine bessere Versicherung zu schaffen und nicht einfach mehr Versicherungspolicen zu verkaufen.

Unsere Entscheidung, die Lizenz der BaFin, der höchsten Aufsichtsbehörde für Banken und Finanzen in Deutschland, zu erhalten, hat die Sache nicht einfacher gemacht. Als eine der anerkanntesten, aber auch schwierigsten Lizenzen in Europa dauerte es rund neun Monate, sie zu bekommen. Unser Antrag umfasste am Ende mehr als 1 000 Seiten. Wir wurden auf Herz und Nieren geprüft, mussten alles offenlegen und so ziemlich alle Details des Unternehmens und unseres Businessplans erklären – nicht gerade ein Spaziergang im Park. Aber wir hatten uns bewusst dazu entschieden, weil wir es von Anfang an richtig machen wollten. #SeriousDueDiligence

Kommen einem Zweifel in solchen Momenten? Klar! Tatsächlich dachte ich oft an den Augenblick zurück, als ich in Peru die Berge bestieg und dem Gipfel näherkam, die Luft dünner wurde und jeder Schritt von dem Gedanken begleitet wurde: “Soll ich runtergehen? Ist das verrückt?" Aber damals wie in diesem Moment war die Antwort: "Nein, ich gebe nicht auf, ich muss einfach weitermachen!” Bei Coya verwenden wir gerne das Zitat aus dem Film Best Exotic Marigold Hotel (ursprünglich von John Lennon):

"Am Ende wird alles gut, und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende."
#MarigoldHotel #JohnLennon

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Ein Traum wird wahr – aber wir sind immer noch nicht am Ende

Zwei Jahre später ist unser erster großer Meilenstein Wirklichkeit geworden. Coya ist der Name unserer lizenzierten Versicherungsgesellschaft mit mehr als 60 erfahrenen Mitarbeitern aus knapp 20 verschiedenen Ländern und einer tollen Investorengemeinschaft, die an uns und unsere Vision einer besseren digitalen Versicherung glaubt. Seit heute sind wir mit einem B2C-Produkt live, das die Sachen der Menschen schützt, die ihnen wichtig sind – einem ersten von vielen weiteren Versicherungen, die noch kommen werden. Angetrieben von dem Gedanken, einen digitalen Schutzengel für unsere Kunden aufzubauen, haben wir in den vergangenen Monaten Konzepte getestet und umgeworfen, Partner gefunden, die digitale Infrastruktur aufgebaut, das Design verfeinert und agile Arbeitsmethoden optimiert, die Versicherungs-, Technologie- und Start-up-Ansätze zusammenbringen.

Wir wissen, dass noch viel Arbeit vor uns liegt, aber hey – Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Ich bin oft erstaunt, wie sehr sich die Welt in wenigen Monaten verändern kann. Vor zwei Jahren, als ich in Indonesien war, war die Welt eine andere als heute: Großbritannien war noch fester Bestandteil der EU, Trump einfach ein Milliardärserbe und die Augmented-Reality-Welt von "Pokémon Go" ein aufkommender Trend. Aber die Welt verändert sich schnell, manchmal zum Guten, manchmal zum weniger Guten, und am Ende glaube ich, dass wir mit ihr vorankommen müssen. In unserem Fall ist es das Gefühl, gemeinsam etwas Großartiges umgesetzt zu haben. Eine neue Versicherung für eine neue Welt. Wir sind sehr dankbar für jeden, der uns dabei unterstützt hat.

Hallo Welt, hier sind wir – lasst uns anfangen!

#coyeah

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Beitragsbild & verwendete Bilder im Text: Coya AG (c), Andrew Shaw